Orthopädische Chirurgie

TPLO beim Hund:
Operation und Heilungsverlauf

Die TPLO stabilisiert das Knie nach einem Kreuzbandriss. Prinzip der Operation, Vorbereitung, Ablauf und die einzelnen Etappen der Heilung.

OP-Saal von Colvet, in dem die TPLO-Operationen beim Hund durchgeführt werden

Die TPLO: Prinzip, Ablauf und Heilung

Der Kreuzbandriss ist die häufigste Ursache für Lahmheit beim Hund. Er macht das Knie instabil. Medikamente können Schmerzen und Entzündung vorübergehend lindern, stellen die Stabilität des Gelenks aber nicht wieder her.

Die TPLO ist eine Operation, die die Biomechanik des Knies verändert, damit der Hund trotz des gerissenen Bandes wieder stabil auftreten kann.

Die Rolle des Kreuzbandes im Knie

Das vordere (kraniale) Kreuzband liegt im Inneren des Knies. Es hält das Schienbein in einer stabilen Position zum Oberschenkelknochen.

Ist es teilweise oder vollständig gerissen, rutscht das Schienbein bei jeder Belastung unter dem Oberschenkel nach vorne. Diese wiederholte Bewegung verursacht Entzündung, Schmerzen und einen fortschreitenden Gelenkverschleiß. Sie kann außerdem den Meniskus beschädigen, eine knorpelige Struktur, die im Knie als Stoßdämpfer dient.

Die Lahmheit kann plötzlich auftreten, sich aber auch schleichend entwickeln oder unter Entzündungshemmern vorübergehend verschwinden. Mehr dazu auf unserer Seite zum Kreuzbandriss beim Hund.

Das Prinzip der TPLO

TPLO steht für Tibial Plateau Leveling Osteotomy, also eine Osteotomie zur Nivellierung des Tibiaplateaus.

Anders als der Name vermuten lässt, wird das gerissene Band weder ersetzt noch genäht. Stattdessen wird der Winkel des oberen Schienbeins verändert, um die abnormale Bewegung bei der Belastung zu neutralisieren.

Der Chirurg führt einen bogenförmigen Sägeschnitt im oberen Teil des Schienbeins durch und dreht das Tibiaplateau um einen vorher berechneten Winkel. Anschließend wird der Knochen mit einer Platte und Schrauben in seiner neuen Position fixiert.

Nach der Heilung funktioniert das Knie stabil, ohne auf das beschädigte Kreuzband angewiesen zu sein.

Eine individuelle Vorbereitung für jeden Hund

Vor der Operation bestätigt eine vollständige orthopädische Untersuchung, dass die Lahmheit tatsächlich vom Knie ausgeht, und zeigt, wie instabil das Gelenk ist.

Danach werden spezielle Röntgenaufnahmen angefertigt. Sie zeigen Anzeichen von Arthrose, schließen andere Verletzungen aus und ermöglichen es, den Winkel des Tibiaplateaus genau zu messen. Mit diesen Messungen planen wir die Drehung des Knochens und wählen die Größe der Implantate.

Je nach Alter, Vorgeschichte und Allgemeinzustand des Hundes kann eine Blutuntersuchung vor der Narkose sinnvoll sein.

Der Ablauf der Operation

Die TPLO wird unter Vollnarkose und unter streng sterilen Bedingungen durchgeführt.

Der Chirurg führt die Osteotomie am Schienbein durch, dreht das Tibiaplateau bis zum geplanten Winkel und fixiert es mit einer Platte und Schrauben. Kontrollröntgenaufnahmen bestätigen die Position von Knochen und Implantaten.

Die Platte ist kein Ersatz für das Band. Sie hält lediglich den Knochen, bis er verheilt ist. In der Regel kann sie lebenslang im Körper bleiben, außer eine Komplikation macht ihre Entfernung nötig.

Seitliches Röntgenbild des Hinterbeins eines Hundes nach TPLO mit Platte und Schrauben am Schienbein
Seitliches Röntgenbild des Hinterbeins nach TPLO: Platte und Schrauben stabilisieren das Schienbein nach der Drehung des Tibiaplateaus.
Nahaufnahme eines Knie-Röntgenbilds eines Hundes nach TPLO mit verschraubter Platte am Tibiaplateau
Nahaufnahme des Knies: Die verschraubte Platte hält die Osteotomie des Tibiaplateaus, bis der Knochen verheilt ist.

Heilungsverlauf: die ersten Wochen nach der TPLO

Der Hund kann das Bein oft schon kurz nach der Operation besser belasten. Das heißt aber nicht, dass der Knochen bereits verheilt ist.

In den ersten sechs Wochen gilt strikte Ruhe. Der Hund bleibt in einer Box oder einem sehr kleinen Bereich und geht nur kurz an der Leine nach draußen, um sich zu lösen. Treppen, Springen, Spielen, rutschige Böden und Freilauf müssen vermieden werden.

Die verschriebenen Medikamente kontrollieren die Schmerzen und senken das Infektionsrisiko. Die Wunde sollte täglich kontrolliert und bis zur Heilung vor dem Lecken geschützt werden.

Etwa zwei Wochen nach der Operation findet in der Regel eine Kontrolle der Narbe statt.

Das Kontrollröntgen nach sechs Wochen

Etwa sechs Wochen nach der TPLO wird ein Kontrollröntgen gemacht. Es zeigt, wie weit die Knochenheilung fortgeschritten ist und ob die Implantate stabil sitzen.

Auch wenn ein Hund schon fast normal läuft, kann nur das Röntgenbild zeigen, ob der Knochen ausreichend verheilt ist, um die Aktivität zu steigern.

Ist die Heilung zufriedenstellend, werden die Spaziergänge schrittweise verlängert. Der Wiedereinstieg bleibt kontrolliert und an jeden Hund angepasst. Rennen, wildes Spielen und Springen kommen erst wieder dazu, wenn der Knochen weit genug verheilt ist.

Die funktionelle Erholung

Die meisten Hunde benutzen ihr Bein recht schnell wieder, die vollständige Erholung dauert aber einige Wochen bis mehrere Monate.

Wie schnell es geht, hängt unter anderem davon ab, wie alt der Riss ist, wie ausgeprägt die Arthrose ist, in welchem Zustand die Menisken sind, wie viel der Hund wiegt und wie gut die Anweisungen nach der Operation eingehalten werden.

Vor der Operation ist oft schon Muskulatur abgebaut. Das schrittweise Gehtraining baut sie wieder auf. Bei Bedarf kann auch Physiotherapie sinnvoll sein.

Welche Ergebnisse sind nach einer TPLO zu erwarten?

Ziel der TPLO ist eine schmerzfreie, stabile Belastung, damit der Hund wieder normal aktiv sein kann.

Bereits vorhandene Arthrose im Knie verschwindet durch die Operation nicht. Die TPLO beseitigt aber die Instabilität, die die Entzündung unterhält und den Gelenkverschleiß beschleunigt.

Auch nach der Operation ist das Gewicht entscheidend. Übergewicht belastet beide Knie stärker und kann die Erholung verlangsamen.

Behalten Sie auch das andere Hinterbein im Blick. Die Kreuzbanderkrankung beruht oft auf einer schleichenden Schwächung, und manche Hunde erleiden später auch am anderen Knie einen Riss.

Mögliche Komplikationen

Wie jede Operation birgt auch die TPLO gewisse Risiken, etwa eine Infektion, eine verzögerte Knochenheilung, Reizungen durch die Implantate, einen Bruch oder eine spätere Meniskusverletzung.

Diese Komplikationen sind selten, doch die Ruhe nach der Operation ist entscheidend, um das Risiko gering zu halten. Verschlechtert sich die Lahmheit plötzlich, schwillt das Bein stark an, nässt die Wunde oder wirkt der Hund matt oder apathisch, sollten Sie umgehend Ihren Tierarzt kontaktieren.

Allgemeine Information. Sie ersetzt keine Untersuchung: Nur ein Tierarzt kann eine Diagnose stellen und die passende Behandlung für Ihr Tier vorschlagen.

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