Ein Hinterbein lahmt, plötzlich oder schleichend, und Entzündungshemmer helfen nur kurz?
Dann sollte immer ein Kreuzbandriss abgeklärt werden. Er ist ganz einfach die häufigste Ursache für Lahmheit an einem Hinterbein beim Hund.
Ein Unfall kann der Auslöser sein, meistens wird das Band aber nach und nach schwächer, bis es ganz oder teilweise reißt. Ohne Behandlung führt ein Kreuzbandriss immer zu Arthrose.
Welche Symptome hat ein Kreuzbandriss?
Die Anzeichen hängen vom Stadium und vom Ausmaß des Risses ab. Tierhalter beobachten häufig:
plötzliches Lahmen auf einem Hinterbein;
eine Lahmheit, die sich über Wochen oder Monate entwickelt;
eine vorübergehende Besserung nach einigen Tagen Ruhe;
gutes Ansprechen auf Entzündungshemmer, aber einen Rückfall nach dem Absetzen;
Schwierigkeiten beim Aufstehen nach dem Liegen;
weniger Bewegungsfreude;
Zögern beim Rennen, Springen oder Treppensteigen;
einen zunehmenden Muskelabbau am Oberschenkel des betroffenen Beins.
Bei manchen Hunden ist die Lahmheit von Anfang an deutlich. Bei anderen bleibt sie über Monate leicht, aber hartnäckig. Dieser wechselhafte Verlauf ist typisch für Teilrisse und für die schleichende Degeneration des Kreuzbandes.
Was passiert im Knie?
Das vordere (kraniale) Kreuzband ist einer der wichtigsten Stabilisatoren des Kniegelenks. Ist es gesund, verhindert es, dass das Schienbein bei der Bewegung unter dem Oberschenkelknochen nach vorne rutscht.
Reißt es, auch nur teilweise, geht diese Stabilität verloren. Bei jedem Schritt bewegt sich das Gelenk unnatürlich. Das verursacht Schmerzen, Entzündung und einen fortschreitenden Knorpelverschleiß.
Mit der Zeit begünstigt diese Instabilität eine teils ausgeprägte Arthrose, selbst bei relativ jungen Hunden.
Können beide Knie betroffen sein?
Ja. Die Kreuzbanderkrankung beruht oft auf einer schleichenden Schwächung der Bänder und nicht auf einem einzelnen Unfall.
Ein Hund, der wegen eines Risses auf einer Seite vorgestellt wird, kann am anderen Knie bereits leichte Anzeichen von Entzündung oder Instabilität zeigen. Manche Hunde erleiden Monate oder Jahre nach dem ersten Riss auch einen Riss des zweiten Kreuzbandes.
Deshalb sollten immer beide Hinterbeine untersucht werden, auch wenn die Lahmheit eindeutig nur eine Seite zu betreffen scheint.
Welche Rolle spielt das Röntgenbild?
Das Kreuzband selbst ist auf einem normalen Röntgenbild in der Regel nicht zu sehen. Trotzdem ist das Röntgen unverzichtbar: Es zeigt Flüssigkeit im Gelenk, Entzündungszeichen, beginnende oder fortschreitende Arthrose, eine abnormale Stellung des Schienbeins oder eine andere Knochenerkrankung, die die Lahmheit erklären könnte.
Ist das Kreuzband beschädigt, wird das Knie instabil.
Entzündungshemmer lindern oft Schmerzen und Entzündung im Gelenk. Dem Hund scheint es dann besser zu gehen, und er bewegt sich wieder normaler. Das Band selbst wird durch die Behandlung aber nicht repariert.
Die Instabilität bleibt und hält die Entzündung im Gelenk aufrecht. Sobald die Medikamente abgesetzt werden oder der Hund sich etwas mehr bewegt, kehren Schmerzen und Lahmheit meist zurück.
Deshalb haben viele Tierhalter den Eindruck, ihr Hund werde gesund und habe dann immer wieder Rückfälle.
Warum sind Teilrisse schwer zu erkennen?
Ist das Kreuzband vollständig gerissen, ist das Knie meist deutlich instabil und die Lahmheit oft ausgeprägt.
Bei einem Teilriss ist ein Teil der Fasern noch intakt. Der Hund kann dann relativ normal laufen und lahmt vielleicht nur nach Belastung. Die Instabilität ist manchmal kaum spürbar, vor allem wenn das Tier während der Untersuchung die Muskeln anspannt.
Teilrisse schreiten meist fort: Die verbleibenden Fasern können weiter nachgeben, bis das Band ganz reißt. Die chronischen Schmerzen und die Instabilität begünstigen außerdem Arthrose und können mit einer Meniskusverletzung einhergehen.
Das vordere Kreuzband am anatomischen Modell.
Wie stellen wir einen Kreuzbandriss fest?
Bei Colvet beruht die Diagnose vor allem auf einer vollständigen orthopädischen Untersuchung, am wachen Tier und unter Sedierung. Wir beobachten in Ruhe das Gangbild Ihres Hundes, untersuchen die betroffenen Gelenke und suchen nach den typischen Zeichen der Instabilität (z. B. Schubladentest).
Die Handgriffe, mit denen sich ein Kreuzbandriss bestätigen lässt, sind oft schmerzhaft, und für das Röntgen muss das Tier in unbequeme Positionen gebracht werden. Deshalb ist meistens eine Sedierung nötig, um den Verdacht zu bestätigen.
Die Röntgenbilder zeigen uns den Zustand des Knies und mögliche Arthrose, schließen andere Ursachen der Lahmheit aus und dienen der Planung einer eventuellen Operation.
Kreuzbandriss beim Hund: mit oder ohne OP?
In diesem ganz bestimmten Fall ist die Operation leider die einzige Möglichkeit, das Wohlbefinden Ihres Tieres dauerhaft zu erhalten. Bis heute ist kein Medikament bekannt, das die Schmerzen langfristig lindert und die durch einen Kreuzbandriss verursachte Arthrose aufhält.
Bei Colvet operieren wir mittels TPLO (Tibial Plateau Leveling Osteotomy): Sie macht das Kreuzband überflüssig und stellt so die Stabilität des Knies wieder her.
Ein Tierarztbesuch ist sinnvoll, wenn eine Lahmheit an einem Hinterbein länger als ein paar Tage anhält, immer wiederkommt, nach dem Absetzen der Entzündungshemmer zurückkehrt, sich nach Bewegung verschlimmert, den Hund am Treppensteigen oder Springen hindert, mit Muskelabbau einhergeht oder wenn der Hund das Bein gar nicht mehr belastet.
Vermeiden Sie es, immer wieder abzuwarten und nur die Symptome zu behandeln, ohne dass eine genaue Diagnose gestellt wurde. In dieser Zeit kann die Instabilität das Gelenk weiter schädigen und die Arthrose fortschreiten lassen. Geben Sie Ihrem Hund niemals ein Schmerzmittel aus der Humanmedizin ohne tierärztliche Verschreibung.
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